Ein Projekt macht noch kein Netzwerk

Kommentar des Bündnisses H.E.R.Z. für Niesky – verfasst von K. und A. Kagelmann

Der Auftrag des KEB

Der 2. Kommunale Entwicklungsbeirat (KEB) „Nachhaltige Stadtentwicklung durch Holzbaukompetenz“ beendete seine Arbeit im Juli 2025 mit konkreten Handlungsempfehlungen an die Stadträte und die Stadtverwaltung Niesky. Die Schwerpunktsetzung in der Diskussion der 25 Akteur*innen im KEB wurde dabei von Anfang an inhaltlich gerahmt durch das bereits bewilligte Bundesförderprojekt „Baum2Bau (B2B) – Entwicklung und Etablierung einer regional wirksamen Wertschöpfungskette im Holzbau“. Der KEB hatte danach den Auftrag, genau dieses Projekt mit seinen konkreten Maßnahmen

  • Wohnraum in Holzbauweise,
  • Wissenstransfer mit der TU Dresden und Planungswettbewerb für Holzhaussiedlung in Niesky
  • Kontinuierliche Netzwerk-, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit einschließlich des Holzhausfestes

strategisch zu untersetzen und weiterzudenken.

Warum Netzwerkarbeit scheiterte

Im KEB war man sich sehr schnell einig: Während zwei Projektpartner bereits seit Projektentwicklung feststanden, stellte sich mit der Netzwerkarbeit eine besondere Herausforderung für die Stadt: Bereits von August 2023 bis Dezember 2024 existierte mittels eines Vorgängerprojektes eine Personalstelle für Netzwerkarbeit im Holzbau. Weil die städtischen Erwartungen unterschiedlich, aber insgesamt zu hoch und wenig verbindlich untersetzt waren, es zudem an Unterstützung durch die Stadtverwaltung mangelte, überwog am Ende auf allen Seiten die Enttäuschung – nicht zuletzt beim damaligen Netzwerkmitarbeiter selbst.

Klare Empfehlungen, keine Umsetzung

Gerade aufgrund dieser Negativerfahrung war man sich im KEB nach intensiver Diskussion einig, dass eine Koordinierungsstelle „HOLZ“ nur nachhaltig Holzbaukompetenz entwickeln kann, wenn sie auf klaren Vorgaben, inhaltlicher Kontinuität und langfristiger Kontaktpflege basiert. Dies ist durch begrenzte Projektlaufzeiten nicht zu erreichen. Folgerichtig forderte der KEB dann auch in seinem Abschlussbericht dezidiert, die Netzwerkstelle zügig neu zu besetzen, in die Verwaltung zu integrieren und über die Projektlaufzeit hinaus im Personalkonzept der Stadt dauerhaft zu verankern.

Nichts davon passierte: Auch die neu ausgeschriebene Netzwerkstelle blieb monatelang unbesetzt. Zuerst mangels Bewerbungen. Später gab es wenige Bewerbungen, die Interessanteste aus Sicht des mit der Anhörung der Bewerbungen beauftragten Personalrates zog ihre Bereitschaft im Nachgang zurück.

Die unbesetzte Schlüsselstelle

Es wäre nicht unwichtig zu evaluieren, was zur unerwarteten Absage geführt hat: Waren die Gründe tatsächlich rein subjektiver Natur oder trägt die Stadt Niesky eine Mitverantwortung, denn die Konditionen für die Projektstelle waren mit der öffentlichen Ausschreibung eigentlich bekannt? In Zeiten von Fachkräftemangel ist eine solche Ursachensuche alles andere als eine Nichtigkeit.

Unter Druck geratene Entscheidungen

Aber inzwischen drängte immer stärker die Zeit, denn das Projekt war bereits seit Monaten bewilligt. Unter solchen Bedingungen ist sogar nachvollziehbar, wenn so mancher genervte Stadtrat Anträge zur Projektumsetzung „B2B“ einfach nur noch „vom Tisch haben“ wollte. Das würde zumindest erklären, warum Monate zuvor ein Kleinstprojekt im Umfang von weniger als 1.000,- Euro in diesem Stadtrat nach wochenlangem, erbittertem Streit abgeschmettert wird, während eine Tischvorlage (!*) mit erheblichen finanziellen Verbindlichkeiten aus Projektmitteln nicht mal im geschlossenen Teil der Ratssitzung hinterfragt, geschweige denn diskutiert wird, bevor sie quasi im Huckepack-Verfahren mit einer Personalabstimmung gegen wenige Gegenstimmen durchgewunken wird.

Beschluss ohne echte Debatte?

Wenn nicht allein die erheblichen Kosten in einer Tischvorlage für eine sehr begrenzte Restlaufzeit des Projektes die Aufmerksamkeit der Räte wecken konnte, dann hätte zumindest die Verfahrensweise der Mittelvergabe Fragen aufwerfen müssen. Denn: Dieses Verfahren wich erheblich ab von den Zielen und Konditionen, wie sie in der offiziellen Ausschreibung der Stadt für die Netzwerkstelle dargestellt worden waren.  

Es ist kaum anzunehmen, dass alle Stadträte wirklich überblickt haben, was da beschlossen worden ist.

Missverständnisse über Netzwerkarbeit

Eines wird jedoch deutlich: In der Stadt Niesky wird das Ziel von Netzwerkarbeit weder verstanden noch wertgeschätzt, die als dauerhafte, vertrauensgestützte, auf Gegenseitigkeit beruhende Beziehungen zwischen regionalen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und kommunalen wie wirtschaftspolitischen Akteuren beschrieben werden kann.

Ein Projekt ist noch keine Strategie

Fazit: Das Projekt „B2B“ sollte umgesetzt werden. Niemandem ist geholfen, wenn bewilligte Projektmittel verfallen, weil sich nur wenige Bewerber*innen auf eine Ausschreibung melden.

Aber: Ein noch so tolles Projekt im Holzbau macht längst noch kein Netzwerk! Nur über ein langsam wachsendes und kontinuierlich betreutes Netzwerk wird aus Einzelprojekten eine nachhaltige Stadtentwicklungsstrategie, die Niesky zu einem Zentrum des innovativen Holzbaus in der Lausitz werden lässt. Darum ging es im KEB. Mit einer Leistungsvergabe bis Ende 2026 wird gerade dieses Ziel verfehlt.  

 Fördermittel brauchen Kontrolle

Im Übrigen: Projektmittel zu „beschaffen“, ist angesichts klammer Haushaltskassen eine feine Sache. Nur ist solches Geld auch Steuergeld, mit dem umsichtig und zweckentsprechend umgegangen werden muss. Es sollte also einen Stadtrat durchaus stärker beschäftigen, wie im Einzelnen die akquirierten Gelder verausgabt werden. Die Kontrolle der Verwaltung im Rahmen des Haushaltsrechts ist eine der wesentlichen Aufgaben eines Stadtrates.

* Eine Tischvorlage ist ein Dokument, das den Teilnehmern einer Sitzung oder Besprechung erst direkt vor Ort („auf den Tisch“) ausgehändigt wird und nicht bereits mit der Einladung verschickt wurde.Sie enthält meist zusätzliche Informationen, aktuelle Änderungen oder kurzfristig erstellte Unterlagen, die für die Beratung oder Entscheidung benötigt werden.

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